klimatische Verwundbarkeit urbaner Infrastrukturen

Wie gefährdet sind Deutschlands Städte und Kreise?

Der Klimawandel stellt Deutschlands 400 Kreise und kreisfreien Städte vor wachsende Heraus­forder­ungen: stei­gende Tem­pe­ra­turen, häu­figere Extrem­wetter­er­eig­nisse und eine zu­neh­mende Ver­sie­gelung urbaner Räume führen dazu, dass kli­matische Risiken nicht nur lokal, sondern auch struk­tu­rell be­wer­tet werden müssen. Vor diesem Hin­ter­grund wurde ge­mein­sam mit der iW Consult (Institut der deutschen Wirtschaft) der Klima­risiko­index für deutsche Städte und Kreise ent­wickelt. Ziel war es, ein bun­des­weit ein­heit­lich­es Be­wer­tungs­sys­tem zu schaffen, das die kli­ma­tische Ver­wund­bar­keit urbaner In­fra­struk­turen ab­bildet – heute und mit Blick auf das Jahr 2050.

Zentrale klimatische
Belastungsfaktoren

Wissenschaftlich fundierte Modellierung

Die Berechnung des Klimarisikoindex basiert auf einer Kombination verschiedener klimatischer Gefahrenindikatoren und einer modellbasierten Bewertung ihrer möglichen Auswirkungen auf städtische Infrastrukturen. Grundlage der Analyse war eine flächendeckende Datenauswertung mit dem Naturgefahren-Analysetool K.A.R.L.®. Dafür wurde eigens eine Vulnerabilitätsbetrachtung für städtische Infrastrukturen entwickelt. Diese beschreibt, ab welcher Intensität einer bestimmten Gefahr zentrale städtische Funktionen eingeschränkt, unterbrochen oder ganz ausfallen würden.

Für jede der untersuchten Kreise und Städte wurde ein digitales Raster (100 m x 100 m für Großstädte; 200 x 200 m in übrigen Kreisen und kreisfreien Städten) über die urban genutzte Fläche gelegt, sodass insgesamt über eine Millionen Einzelpunkte in die Analyse einflossen, dessen Analyseergebnisse anschließend zu einem Gesamtwert je Kreis oder Stadt aggregiert wurden. Die Berechnungen wurden sowohl für das heutige Klima als auch für ein zukünftiges Emissionsszenario (SSP5-8.5) im Jahr 2050 durchgeführt, um Veränderungen und mögliche Entwicklungen klimatischer Risiken im Zeitverlauf aufzuzeigen. Im Rahmen der Analyse wurden drei Gefahrenkomplexe betrachtet, die zentrale klimatische Belastungsfaktoren für urbane Räume darstellen:

01

Thermische Gefahren

Hitzestress, Hitzewelle, Wasserknappheit, Dürrestress

02

Hydrologische Gefahren

Starkregen, Überschwemmung, Sturmflut

03

Meteorologische Gefahren

Sturm, Tornado, Hagel

Vulnerabilität städtischer Infrastrukturen

Ergänzend zur Betrachtung einzelner Gefahren fließt die Vulnerabilität städtischer Infrastrukturen in die Bewertung ein. Sie beschreibt, ab welcher Intensität einer klimatischen Gefahr zentrale urbane Funktionen wie Energieversorgung, Verkehr oder Kommunikation eingeschränkt oder gestört werden können. Grundlage hierfür sind speziell entwickelte Vulnerabilitätskurven, bei denen nicht der materielle Schaden, sondern die Funktionsfähigkeit der Stadt im Mittelpunkt steht. Durch eine abschließende Normierung und gewichtete Aggregation der einzelnen Gefahrenindikatoren entsteht ein Gesamtindex: der Klimarisikoindex.

Deutschlandkarten mit Klimarisikoindex

Zentrale Ergebnisse

Regionale Unterschiede in der klimatischen Belastung deutscher Kreise und Städte

Während insbesondere Küstenregionen sowie Kreise und Städte entlang großer Flusssysteme wie Rhein, Main oder Donau erhöhte Indexwerte aufweisen, liegen viele Binnenregionen ohne größere Gewässeranbindung im Vergleich weiter hinten. Gleichzeitig zeigen sich in Teilen Ost­deutsch­lands aufgrund des stärker kontinental geprägten Klimas höhere thermische Belastungen, was sich ebenfalls in erhöhten Indexwerten widerspiegelt. Unabhängig von der regionalen Ausprägung zählen Sturm, Starkregen und Hitzestress bundesweit zu den größten Risiken für urbane Infrastrukturen. Sturm und Starkregen erreichen bereits heute vielerorts hohe Belastungswerte, während insbesondere der Hitzestress bis 2050 deutschlandweit deutlich zunimmt. Grundsätzlich gilt jedoch: Ein niedrigerer Indexwert bedeutet nicht, dass eine Region „sicher“ ist. Alle 400 Kreise und kreisfreien Städte können von klimabedingten Extremereignissen betroffen sein.

Für unsere Analyse haben wir über eine Million Standorte in Deutschland ausgewertet, um regionale Klimarisiken vergleichbar zu machen. Der Klimarisikoindex zeigt, wie unterschiedlich Städte bis 2050 von Extremwetter betroffen sein können und macht den Anpassungsbedarf deutlich.

Sarah Reuter - Teamleiterin KA Risk Lab
Sarah Reuter Einzelbild Senior NatCat Analyst

Orientierung dank Vergleich

Was der Index leistet – und was nicht

Der Klimarisikoindex macht regionale Unterschiede in der Verwundbarkeit sichtbar und schafft eine datenbasierte Grundlage, um Handlungsfelder frühzeitig zu erkennen und strategische Anpassungsprozesse anzustoßen. Er liefert jedoch keine absoluten Schadensprognosen und ersetzt keine lokalen Detailanalysen. Der Index ist als Vergleichsinstrument konzipiert: Er zeigt relative Risikopositionen zwischen Regionen auf und bietet Orientierung. Die konkrete Ausgestaltung von Anpassungsmaßnahmen erfordert jedoch eine vertiefte, ortsspezifische Betrachtung.

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